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Mikrotransaktionen oder wie man Gears-Spieler vergraulen kann

Von Julian am 02. November 2016

Einige Wochen nach Release wird weiterhin viel um Gears of War 4 diskutiert, wobei es neben der Spielmechanik vor allem um ein doch sehr brisantes Thema geht: die neu eingeführten Mikrotransaktionen. Denn im Gegensatz zu den Vorgängern und zum Ärger vieler Spieler erhält man neue Charaktere oder Waffenskins für den Mehrspielermodus erstmalig nur durch den Erwerb sogenannter Gear Packs und nicht durchs Erreichen höherer Level. Wie die Strategie der Entwickler im Vergleich zu anderen Spielen einzuordnen und an welchen Stellen das neue System möglicherweise noch verbesserungswürdig ist, möchten wir daher in diesem Artikel einmal näher beleuchten.

Als The Coalition bereits vor einigen Monaten das neue Konzept vorstellte, klang es noch so vielversprechend. Man erhalte neue Karten über Gear Packs, welche man wiederum mit den durchs Spielen verdienten Credits erwerben kann. Die Packs enthalten grundsätzlich fünf Karten, welche unterschiedliche Seltenheitswerte besitzen und der Zufall entscheidet, was man konkret erhält. Um zu vermeiden, dass Spieler ewig auf eine Karte hoffen und diese nicht erhalten, kann man zudem Karten aus dem eigenen Besitz verschrotten und mit dieser zweiten Währung gezielte Karten herstellen. Die Option zur Bezahlung mit echtem Geld bestehe auch, sei aber nur für Spieler gedacht, die weniger Zeit ins Spielen investieren möchten. Nicht einmal einen Monat nach Veröffentlichung können wir nun die erste Bilanz ziehen. Und die sieht nicht sonderlich gut aus...

Worin liegen also konkret die Schwachstellen des Ganzen? Zu allererst haben die Entwickler den grundsätzlichen Fehler gemacht und (bereits früh nach dem Launch) die ersten Inhalte angekündigt, welche nur für echtes Geld erhältlich sind. Während das ganze beim eSport Unterstützer-Pack noch Sinn macht, lässt sich nicht nachvollziehen, warum auch das speziell zu Halloween verfügbare Elite-Pack – welches nicht einmal neue Karten beinhaltet – oder die kommenden Charaktere des Hip Hop-Duos Run the Jewels gleich mit satten Preisen zu Buche schlagen. Für letzteren DLC werden nämlich stolze 19,99 Euro fällig, was sich in Relation zu früheren DLCs, welche Erweiterungen für die Kampagne oder neue Mehrspielerkarten beinhalteten, schlichtweg nicht rechtfertigen lässt.

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"Run the Jewels" TrailerHD


Einen großen Vorteil dieses Konzepts darf man aber trotz alldem nicht vergessen, nämlich dass es den Entwicklern durch diese Strategie überhaupt erst möglich ist, sämtliche über das kommende Jahr hinweg erscheinenden Mehrspielermaps für Jedermann kostenlos anzubieten. Insofern ist es verständlich, dass die Entwickler weiteres Geld in die Kassen spülen müssen. Doch sollte dies möglich sein, ohne die Spielerbasis in der Form zu verärgern und das Freischalten neuer Items derart langwierig zu gestalten.

Was also lassen sich hieraus für Handlungsmaßnahmen ableiten, die die Entwickler lieber früher als später umsetzen sollten? Oft wird kritisiert dass das Sammeln neuer Credits nur sehr langsam und mühselig funktioniert, obwohl an dieser Stelle bereits nachgebessert wurde. Einen naheliegenden Schritt, den man daraus ableiten könnte, wäre neben dem Erhöhen der Creditzahlungen etwa die Wahrscheinlichkeit für hochwertigere Karten in den Packs zu erhöhen, sodass Spieler weniger davon öffnen müssen, um brauchbare Karten zu erhalten.

Noch stärker kritisieren viele Spieler aber den Umstand, dass viele Skins nur mit echtem Geld erworben werden können. Während The Coalition nach der lautstarken Kritik in Bezug auf das Halloween Elite-Pack schnell reagiert und bekanntgegeben hat, dass zukünftige auf Feiertage bezogene Packs auch mit Credits gekauft werden können, bezieht sich dies offenbar nicht auf sämtliche Packs. Denn wie die jüngste Vorstellung des erwähnten Run The Jewels-Packs zeigt, scheint die Kritik noch nicht vollständig zu den verantwortlichen Personen durchgedrungen zu sein. Neben der Tatsache, dass man die neuen Inhalte nicht durch Spielen freischalten kann, ist es zu allem Überfluss vor allem der hohe Preis, welcher eine gewisse Gier der Entwickler suggeriert. Während um die 5 Euro für optische Gegenstände noch fair erscheinen, muss man sich ernsthaft fragen, wie dafür 20 Euro verlangt werden können.

Die Unfähigkeit der Entwickler ein faires System zu erschaffen ist vor allem deshalb bedauernswert, weil viele andere aktuelle Titel geradezu vorbildlich gezeigt haben, wie es gehen kann. Nicht zuletzt da 343 Industries mit dem Xbox-exklusiven Halo 5 vormachte, wie man ebenso finanziell wie auch bei den Fans erfolgreich sein kann, lässt sich die Strategie der Jungs aus Vancouver nicht nachvollziehen. Auch Spiele wie Overwatch oder GTA Online konnten bekanntermaßen hohe Einnahmen verbuchen, ohne auch nur irgendwelche Inhalte hinter Bezahlschranken zu verbergen.

Ob es also noch Hoffnung auf Besserung gibt und die Entwickler einen anderen Weg einschlagen, werden die nächsten Wochen zeigen. Aktuell besteht jedenfalls noch eine Chance, doch andernfalls ist damit zu rechnen, dass sehr wohl einige Spieler aufgrund dieser Form der Monetarisierung langfristig den Spaß am Spiel verlieren werden.

Wie seht ihr das Ganze? Wir freuen uns auf eure Meinung in den Kommentaren!

Kommentare

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Marc

Marc

02.11.2016 | 09:33

20 Euro für Skins? Sicherlich nicht mit mir...
LAKAI2006

LAKAI2006

02.11.2016 | 10:42

Hi Julian, ... du müßtest die Headline ändern: "vergraulen"

Die Meinung von mir und meinen Mitspielern ist relativ gleich: Man muß es ja nicht kaufen. Klar ist das farmen mühselig (Fallout/Insane) aber man bekommt ja auch so alles zusammen und spielt wenigstens. Der Ernstgemeint 4.0 Erfolg zieht sich somit in die Länge (Horde-Karten upgraden) - aber das ist auch gut so. Ich kauf mir doch nicht ein Spiel um mir alles mit Echtgeld direkt freizuschalten! Wo bleibt da der Spaß und Anreiz ...

E-Sports Unterstützer Paket: Idee fand ich gut und preislich akzeptabel - 4,99 hätten es aber auch getan
Halloween Paket: Lohnt sich nicht - die Totentag Skins gibt es auch in den OP-Paketen
Run the Jewels: Glaube nicht das die Gamergemeinde Skins der Rapper spielen möchte - das werden die wenigsten kaufen
Luftpost: Abschreckend teuer

Was mich zu einer anderen umstrittenen Frage bringt: Valve ist ja gerade im Konflikt wegen dem Wettspiel für Echtgeld bei Counter-Strike ... aber wie seh ich das wenn ich mir für Echtgeld die GoW Pakete kaufe und es dann Zufall ist was im Paket drin ist. Wundertüte oder Wettspiel?!
Marc

Marc

02.11.2016 | 10:48

Ups, habe ich korrigiert...

Ob nun Wundertüte oder Wettspiel ist mir eigentlich egal. Wenn ich etwas kaufen würde, dann wollte ich schon wissen, was ich dafür bekomme. Ich finde das ganze Prinzip mist.
Sergei

Sergei

02.11.2016 | 12:02

würde h5 nicht als positives beispiel führen... das req system war einer der gründe wieso ich relativ früh aufgehört hab zu spielen... grinden macht keinen spaß in spielen wie h5.
zu gears4 kann ich nicht viel sagen, nur als ich von microtransactions gehört habe, habe ich beschlossen das spiel vorerst nicht zu kaufen (vll irgendwann mal gebraucht)
Julian

Julian

02.11.2016 | 13:43

Wieso denn Sergei? Finde das System eigentlich gelungen und habe es vor allem deshalb genannt, weil hier eben bis auf die eSport Sachen alles auch mit Ingame Credits kaufbar ist.
Sergei

Sergei

02.11.2016 | 15:26

@julian:
Finde generell MTs in AAA spielen mehr als bedenklich. im fall h5 wurde zwar gesagt, dass dadurch die DLC "gratis" sind, aber die DLCs haben das spiel eigentlich (vom inhalt) nur auf den stand der vorgänger zu release gebracht.
das req system find ich deshalb schlecht, weil alles nur mehr ein grind ist und customization (und sogar loadout waffen für warzone) ein reines glücksspiel ist. die punkte die man alternativ benutzen kann sind vergleichsweise langwierig zu bekommen (besonders für special req packs). für mich ist das system so aufgebaut, dass die req-punkte das "alibi" sind, damit man sagen kann dass man alles bekommen kann. aber ohne geld benötigt man wirklich viel zeit (und die aktionen bei denen man gold packs geschenkt bekommt wenn man eine gewisse anzahl kauft sind auch nur mit echtem geld erhältlich).
für mich verliert customization einfach ihren reiz. normales freispielen zieh ich einem (glücksspiel) kartensystem jederzeit vor und ich finde es ist schon leicht aggresiev in h5 eingebaut. man kann aber sagen, dass ich hauptsächlich das kartensystem kritisiere, aber auch wenn man sich aussuchen kann was man bekommt halte ich nichts von MTs in AAA spielen.
(man könnte argumentieren, dass durch das zufallssystem der glücksspielreflex versucht wird zu reizen. so in der art: eines kauf ich noch, vll hab ich diesmal glück)
Julian

Julian

02.11.2016 | 19:01

Das ist natürlich verständlich, die geringe Chance auf hochwertige Karten haben auch schon viele andere kritisiert. Mal sehen ob und inwiefern hier nachgebessert wird...
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